Jena ist schon irgendwie putzig und wirklich auch irgendwie anders. Statt für die wirklich wichtigen Dinge auf die Straßen zu gehen, wird gegen Andersdenkende demonstriert. Ein Gegner lässt sich immer gerne und schnell ausmachen. Wichtig dabei, nicht selber aktiv sein, sondern sofort reagieren, wenn andere aktiv werden. Eine Schieflage, die mittlerweile traurigerweise zur politischen Kultur in Jena gehört, wenn man überhaupt von politischer Kultur reden kann. Letztendlich erscheinen die Versuche müde und ausgebrannt, selbst ein Aufflammen ist nicht mehr erkennbar. Man spricht sich persönlich mit Namen an, denn auch hier sind es immer wieder dieselben Gesichter, die sich gegenseitig Mut und Verachtung zusprechen. Mit Andersdenkenden ins Gespräch kommen? Niemals!

Stattdessen hat doch Jena ganz andere Probleme. Die Gentrifizierung hat apokalyptische Ausmaße angenommen. Gerade erst haben sich Stadt, Eigentümer- und Mieterverbände für eine weitere Mieterhöhung mit dem neuen Mietspiegel klar für weitere 10 Prozent Mieterhöhung ausgesprochen. Ebenso werden keine Wohnungen mehr gebaut. Ganze 14 neue Wohnungen sind statistisch im 1. Quartal 2017 in Jena gebaut wurden. Komisch, dafür geht niemand auf die Straße.

Die Planungen der Stadtspitze stellen immer mehr die Stärkung eigener Interessen in den Vordergrund. Damit sind vor allem die Geschäftsmodelle der Eigenbetriebe und der Stadtwerke gemeint. Politisch darüber reden, vielleicht noch dazu im Stadtrat zu widersprechen, das geht auf keinen Fall und wird auch tunlichst vermieden! Dass sich mittlerweile massiv Unternehmen aus Jena verabschiedet haben, die vor allem für das soziale Gefüge und den wirtschaftlichen Ausgleich in der Stadt mitverantwortlich waren, macht ein weiteres Problem in Jena sichtbar.

Das Geld in Jena ist auch alle. Leider wird das nicht öffentlich kommuniziert. Nur die Hinweise in den Berichten und Einschätzungen sind, wenn man diese liest, unüberhörbar. Mahnungen von Steuerprüfern verpuffen. Jena lebt nun in Prunk und Protz nur noch vom Eingemachten. Der Oberbürgermeister behauptet noch immer, die Entschuldung der Stadt gehe wie geplant weiter. Nur ist das letztendlich absolut unglaubwürdig, wenn dafür das Geld der Rücklagen verwendet wird. Wir leben schon lange auf Kosten unserer Zukunft und der Stichtag ist gesetzt. Weshalb geht dafür niemand auf die Straße?

Letztendlich plant die Stadtrat mit dem politischen Rückhalt der Verwaltung ein neues Stadion unmäßigen Ausmaßes. Dafür ist in der Größenordnung überhaupt keine Geld mehr da. Aber wen stört das schon? Es hört sich auf alle Fälle gut und an und Wahlen sind ja auch bald wieder.

Ein Hoch auf unsere Stadt und unsere Bürger. Und irgendwie läuft doch alles super in Jena, oder doch nicht? Eine Ende der Straße ist jedenfalls jetzt zu sehen und nicht nur zu erahnen. Eine andere Stadtpolitik ist jetzt notwendig. Wer macht den Anfang? Es wird definitiv schmerzvoll werden…