Von einer Stadt der Zukunft zu einer Stadt der Ignoranz und Häme.

Sind daran Corona oder das Internet schuld? Ne, bestimmt nicht!

Als Bürger dieser Stadt frage ich mich seit gut einem Jahr, was ist mit Jena los? Ich hätte mir nicht vorstellen können, dass ich diese Art des Umgangs mit Bürgern und Unternehmen in Jena jemals erleben werde. Aber nun ist es Realität geworden. Die letzte Hoffnung, dass Politik noch etwas bewegen könne oder auch wolle, ist mir abhandengekommen. Bisher dachte ich immer, es wäre nur meine sensitive Sicht auf Jena. Aber nach so vielen Einzelgesprächen habe ich dann wieder aufgehört, an mir zu zweifeln und begebe mich erneut auf die Suche nach den wirklichen Ursachen.

Haben Politik oder auch die Verwaltungsspitze damit zu tun? Oh ja, ganz sicher.

Wo ist die starke Zivilgesellschaft in Jena hin? Da wünscht man sich „König Albrecht“ zurück. Ne, war nur ein Spaß. Immerhin erleben wir jetzt erst das ganze Ausmaß der letzten vielen Jahre verfehlter Stadtpolitik. Natürlich ist das nicht generell so zu sehen. Es gibt auch einige gute Dinge, die in Jena entstanden sind, aber im Großen und Ganzen fehlt der Stadt etwas ganz Wesentliches. Herz und Verstand!

Ich bin ein Freund der Wiedervereinigung. Ich habe mich selber aktiv zu Wendezeiten vor nun 30 Jahren beim Neuen Forum eingebracht und war Sprecher für soziale Aspekte beim Neuen Forum für Jena. Man waren das Zeiten. Wir konnten so viel bewegen und wir haben es gemeinsam getan, über alle Strukturen und Mechanismen hinweg. Weshalb das ging? Weil wir Stadt gemeinsam und kooperativ gedacht haben. Alle! Jetzt erlebe ich eine völlig ausgeflippte Verwaltung, die mit Menschen umgeht wie Vieh. Und wo ist das Korrektiv, die Politik? Nicht mehr anwesend!

Aber wer denkt, dass wir uns als Menschen nur vernünftig verwalten lassen müssen, dann klappt das schon, der liegt in allen Punkten falsch. 5 – setzen! Eine demokratische Gesellschaft braucht vor allem eines: eine lebendige Zivilgesellschaft. Und wer ist das? Natürlich die Menschen einer Stadt. Egal welcher Hautfarbe, Religion oder nationales Zugehörigkeit. Und wir brauchen wieder Kooperation, nicht diese sinnlose Konkurrenz, die sich in Vereinzelung niederschlägt.

Das Elend in Jena – Stillstand in allen wichtigen Bereichen!

Um hier nur einige Punkte zu nennen. Natürlich werde ich in meinem nächsten Beiträgen auch Einzelbeispiele gezielter besprechen. Zum sozialen Zusammenhalt einer Stadt gehört vor allem eines: Stadtentwicklung und -planung! Das ist das Wesen kommunaler Selbstverwaltung von Städten in Deutschland! Aber die findet in Jena nicht mehr statt!

Welches sind nun wichtige Bereiche? Wohnen, Wohnen, Wohnen, soziale Infrastruktur für Sport, Kultur und Freizeit, Kindergärten, Schulen…

Welches sind keine wichtigen Bereiche? Ein neues Stadion, ein Unicampus auf dem Inselplatz im Stile der 60iger Jahre, ein völlig sinnloses Projekt auf dem Eichplatz, eine Bibliothek mit einem noch größeren Bürgerverwaltungszentrum …unter Klimagesichtspunkten alles eine Katastrophe!

Es ist derzeit wie Schiffe versenken in Jena. Gewinnen kann dabei jedoch niemand. Denn wenn nur ein Schiff übrig bleibt, muss man sich fragen, wie will man sich retten oder sich gegenseitig unterstützen, wenn alle anderen Schiffe untergegangen sind!

Und was wir jetzt vor allem brauchen, ist MUT für Veränderung und endlich wieder Stadtentwicklung! Und da habe ich noch nicht mal angefangen, über die Veränderungen nach Corona nachzudenken!

Aber es ist eben wie immer. Alles nur eine Frage der Sichtweise! Aber wo kann ich meine Sichtweise einbringen?

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