Nun hat das lange Warten einen ersten Zwischenstand erreicht. Die Jenaer Stadtverwaltung präsentierte heute ihren Vorschlag für die künftige Nutzung eines Teils auf dem Jenaer Eichplatz. In der städtischen Pressemeldung: “Siegerentwurf für die Bebauung des Jenaer Eichplatzes“ verweist der Jenaer OB Thomas Nitzsche darauf, dass dieser Entwurf “bis in das Umland strahlen und positiv zur Weiterentwicklung unserer Stadt beitragen“ wird. Wodurch er strahlen soll, wird mir wohl verborgen bleiben.

Die Architektur ist langweilig, ja fast schon armselig fad. Mit Sicherheit ist dies kein großer Wurf. In der Nutzung spielt er nur wieder die Interessen der Stadt wieder, nicht die der Bürger. Auch wenn es sicherlich nur um das erste Baufeld geht. Alles weitere kommt noch und auch die Freiraumgestaltung wird noch geplant.

Habe ich etwas anderes erwartet? Nein, eigentlich nicht. Hier wird nun ein Teil des Platzes regelrecht verschenkt, ohne weder auf Ökologie noch auf Nachhaltigkeit zu setzen. Bei der Tiefgarage reichte es gerade auch nur noch für 90 Stellplätze. Mit den Stellplätzen in der Rathausgasse, welche dann auch noch wegfallen werden, brachte es der Eichplatz auf fast 400 Stellplätze. Jetzt wird dieser weitestgehend Autofrei, denn die 90 Stellplätze in einer Tiefgaragenebene werden sicherlich schon alleine durch die neuen Anwohner benutzt werden.

Als ein Mitbegründer der Bürgerinitiative „Mein Eichplatz“ halte ich diesen Vorschlag für nicht zielführend und absolut visionslos. Ich habe einige Mitbegründer der BI „Mein Eichplatz” kurz befragt und ebensolche Antworten bekommen. Dies ist alles andere als ein großer Wurf. Dafür hätte man den Eichplatz nicht verkaufen dürfen. Er löst nicht wirklich ein Problem der Stadt. Dies auch noch so radikal in dieser schwierigen Zeit einfach durch den Stadtrat durch zu jagen, halte ich persönlich für fahrlässig und völlig rücksichtslos, vor allem auch im Hinblick auf die Nutzer der Innenstadt. Niemand weiß, wie es demnächst weitergehen wird.

Innenstädte müssen sich gerade jetzt neu erfinden. Noch mehr Büros und Restaurants zählen dabei eher zu den langweiligen Lösungen. Die  ständige weitere Erwärmung der Innenstadt schreit regelrecht nach einem anderen Konzept. Im übrigen wird seit mittlerweile drei Jahren keine breite Bürgerbeteiligung mehr zugelassen. Interessierte Bürger haben sich regelrecht von der Stadt herausgedrängt gefühlt, weil unsere Vorstellungen nicht mit denen der Stadt überein kamen.

Wir haben immer die Stadt in den Mittelpunkt unserer Debatte gestellt, nie nur die Stadtmitte. Aber genau das ist jetzt ein Vorschlag. Kein neuer urbaner Ort für Jena, sondern einfach nur ein weiter so. Immer in der Logik des Wachsens, aber nicht mal des qualitativen Wachsens, sondern rein quantitativ. Wenn das jetzt das Ergebnis eines dreijährigen geheimen Prozesses ist, dann Gute Nacht Jena. Dann hätten wir vor einigen Jahren schon an OfB oder die Helaba verkaufen können. Dann wäre wenigstens das Loch jetzt schon wieder zu!

Wann ist nur der Ehrgeiz und der Mut für gute Lösungen in Jena verloren gegangen. Nach der ebenso langweiligen Bebauung vom Engelplatz, jetzt gerade vom Inselplatz, kommt demnächst der Eichplatz dazu. Da bleibt dann nur noch die Bachstraße. Aber warum soll es dann dort anders laufen. Jena ist auf dem Weg einfach eine langweilige deutsche Stadt zu werden, austauschbar und ersetzbar. Um das wieder zu ändern, müssten wir uns mal so richtig auf den Hosenboden setzen und auch mal wieder von einer anderen Zukunft träumen.

Vielleicht mal wieder weniger Lichtstadt, dafür aber wieder mehr Bürgerstadt. Ein wenig mehr Realitätssinn für die Zukunft würde doch allen in Jena zu Gute kommen! Eigentlich haben wir damit doch gute Erfahrungen gemacht. Eine “Carl-Zeiss-Gedächnis-Architektur” oder auch „Lochmusterarchitektur”, wie bereits einige schrieben,  braucht niemand in Jena. Denn gerade über Architektur lässt sich trefflich streiten und das sollte man auch tun, unabhängig von der Nutzung.

P.S. Die Gewinnerbilder sind bitte der Pressemeldung zu entnehmen. Sie haben jedoch mit der wirklichen Perspektive auf den Eichplatz wenig zu tun. Für das Marketing sind sie sicherlich gut geeignet!

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