Fakten und Gedanken für eine neue Schwimmhalle in Jena

In Jena fehlt es derzeit an Kapazitäten für das Schwimmen und das hat sowohl für Schulen, den Sport als auch für die Bürger selbst negative Auswirkungen. Leider wurde Planungen zu einer neuen Schwimmhalle auch auf unbestimmte Zeit verschoben. Ich möchte das ändern und habe mir daher als Oberbürgermeister zum Ziel gesetzt [1], eine neue Schwimmhalle für Jena zu errichten. Die Planungen dafür laufen schon seit mehreren Jahren und die Bürger haben sich im Bürgerhaushalt mit deutlich Mehrheit für ein solches Projekt ausgesprochen. Möchten man den Ansatz der Bürgerbeteiligung ernst nehmen, ist also eine Schwimmhalle derzeit das wichtigste Ziel.

Gibt es Bedarf für eine neue Schwimmhalle?
Im letzten Sportentwicklungsplan (2015) wurden die Defizite in diesem Bereich deutlich benannt. Einige wesentlich Punkte, die derzeit stellvertretend für das große Problem Schwimmflächen stehen, sind:

  • kein kontinuierlicher Zugang für Schüler zum Schwimmen
  • für weiterführende Schulen nur punktueller Schwimmunterricht möglich
  • kein Einbezug von Kindergärten möglich 
  • therapeutische und freizeitsportlerische Nutzung sind, wenn überhaupt, nur extrem eingeschränkt möglich
  • Kapazitäten für Ausbildung von Lehrern / Sportwissenschaftler fehlen
  • zusätzlicher Bedarf für Hochschulsport der Uni (Warteliste bis 200 Studenten)

Das Fehlen an saisonunabhängiger Wasserfläche hat daher deutlich negative Auswirkungen auf die Stadt.

Was ist geplant?
Ziel ist es, eine neue Schwimmhalle mit 50 Meter Becken zu errichten, die wettkampftauglich ist und sowohl von den Abmessungen als auch bezüglich der Wassertemperatur für Sportler geeignet ist. Die Halle soll eine dauerhafte Temperatur von 25 bis 26 Grad im Wasserbecken haben. Das ist niedriger als in einem Spaßbad und spart damit erhebliche Heizkosten im laufenden Betrieb. Deshalb sieht unser Vorhaben kein weiteres Spaßbad vor, sondern konzeptionell eine reine Schwimmhalle für den Sport- und Lehrbetrieb sowie Nutzungszeiten für Freizeitschwimmer.

Wo soll die Schwimmhalle entstehen?
Für die Schwimmhalle gibt es mehrere mögliche Bauflächen, die durch die Verwaltung auch bereits hinsichtlich ihrer Tauglichkeit geprüft wurden. In die engere Wahl fielen unter anderem der Parkplatz am GealaSea sowie ein demnächst freiwerdender Baubereich in Jena Nord/ Löbstedt. Das Areal am GalaxSea hätte den Vorteil, dass dort kostensparend gebaut werden kann, weil man die Infrastruktur der Stadtwerke und des aktuellen Bades zum Teil mitnutzen kann. Damit wären jedoch die saisonunabhängigen Bade- und Schwimmmöglichkeiten in Jena Süd konzentriert.

Der Standort in Nord hätte demgegenüber den Vorteil kurzer oder doch zumutbar geringer Wege für die Schulen und Einwohner in Nord, Ost, dem Stadtzentrum und dem nichtsüdlichen ländlichen Einzugsgebiet.
Negativ einzuordnen sind dafür die höheren Kosten, da es keine Synergieffekte mit den bestehenden Bädern gibt. Zudem müßte die thermische Versorgung und Unterhaltung gesondert konzeptioniert werden.

Welche Kosten sind zu erwarten?
Die Schwimmhalle ist aufgrund der Konzeption günstiger als ein normales Spaßbad und liegt damit bei den Kosten deutlich unter denen des GalaxySea. Im Sportentwicklungsplan schätzt man die Kosten für dieses Projekt auf etwa 18 Millionen Euro für die Investition und ca. 1,45 Millionen Euro für den laufenden Betrieb. Im

Original heißt es dort:
Die Gesamtkosten dieses Projektes wurden 2014 von der JBG (Jenaer Bäder Gesellschaft) auf ca. 17,35 Mio Euro Investitionskosten (brutto, inkl. Parkhaus am Standort neben dem bestehenden Freizeitbad Galaxsea in Jena-Burgau) sowie ca. 1,45 Mio Euro Betriebskosten p.a. geschätzt.

Bezüglich der Investitionskosten kann davon ausgegangen werden, dass es zusätzlich vom Land antragspflichtige Fördermittel geben wird. Dabei ist derzeit noch unklar, in welcher Höhe diese zur Verfügung stehen werden. In Vorgesprächen waren Förderquoten von 20 bis 40 Prozent im Gespräch. Die Betriebskosten sind aber in jedem Fall ein Kostenfaktor, den Jena allein zu stemmen hat, wobei hier natürlich noch die Einnahmen aus den Ticketverkäufen, im Falle medizinisch- therapeutischer Mitnutzung auch die Leistungen der Krankenkassen und Patientenbeteiligung gegenzurechnen sind. Die Bädergesellschaft rechnet ca. mit einem Zuschuss von 800.000 Euro im Jahr.

Woher soll das Geld kommen?
Derzeit hat die Stadt keine freien Mittel zur Verfügung, um diese Projekt zu stemmen. Daher bedeutet eine Entscheidung für eine neue Schwimmhalle auch zwangsläufig, dass an anderer Stelle gespart werden muss. In diesem Fall habe ich zur Gegenfinanzierung den Verzicht auf den Neubau des Stadions angeregt[2]. Die Sanierung des Stadions im Bestand ist deutlich billiger als die aktuellen Pläne eines kompletten Neubaus und würde sowohl Mittel für die Investitionen als auch für den Unterhalt sicherstellen. Es würde den Breitensport ungeheuer stärker in Jena. Zur Senkung der Kosten, könnten auch Mischkonzepte in Anwendung kommen, in dem man schwimmnahe Dienstleistungen direkt am oder im Haus angliedern könnte, z.B. Arztpraxen oder auch Wohnraum.

Das Projekt Sportschwimmhalle lässt sich damit finanziell umsetzen, wenn man es wirklich will.

[1] https://www.arnepetrich.de/das-wahlprogramm-kurz-fuer-die-zukunft-von-unserem-jena-fuer-eine-bezahlbare-und-moderne-stadt-jena/