Kommentar: Wahlkampf ohne Fakten bei der OTZ

Es gibt so Wahlkampf-Tage, da schaut man durch den Blätterwald im schönen Thüringen und sieht … nicht viel. Da ist letztlich nur dieser eine Verlag, der sich seit 2015 „Mediengruppe Thüringen“ nennt und der Funke Mediengruppe in Essen gehört. Stolz ist man hier auf die 1.500 Mitarbeiter, die vermeintliche Meinungshoheit von Weimar über Gera und Erfurt bis Jena und den Nimbus „größter Arbeitgeber Thüringens“ zu sein. Einer von den Angestellten ist Thorsten Büker, ein Mann, der für die OTZ seit Jahren alles wegkommentiert, was ihm so auf den Schreibtisch kommt.

Ob über die „neuen Herausforderungen des Handels“, über „zackige Hobbys“ oder – unvergessen aufgrund der fehlenden Kenntnisse über Baugewerbe, Baupreise, Gesetze, fehlenden sozialen Wohnungsbau, fehlende Bauflächenausweisungen in Jena und eingeschlafene Politiker – Büker über „Licht und Schatten auf dem Wohnungsmarkt“ in Jena, immer gibt es die fröhlichen 30-Zeiler voller Meinung und weitgehender Faktenfreiheit.

Und bislang fand sich natürlich mangels Existenz keine andere Zeitung, die ihm bei seinen Kommentierungen die Stirn bieten wollte oder konnte. Büker allein auf weiter Flur, da hat der Leser zu glauben, statt zu wissen oder irgendwann gar nichts mehr zu lesen.

In zwei dicht aufeinanderfolgenden Kommentaren am 24. und 25 Januar 2018 ist Büker nun frühzeitig zum Sprachrohr für den noch amtierenden Oberbürgermeister Jenas geworden.

Wieder „Gift und Galle“, wie Büker meinen könnte oder doch wahr?

Indem er Albrecht Schröter (SPD) statt eines Beweises für die angebliche technische Panne kurz und knapp zum „Politprofi“ ernennt, die Sperre einer Internetseite zu einem „Expertenthema“ hochjazzt (welches er nicht verstünde) und allein auf die Aussage der Stadtverwaltung hin unkritisch feststellt, dass diese eben die Wahrheit sagt, weil sie ja die Stadtverwaltung ist und die Stadtverwaltung schon per se … tritt genau der Effekt eines externen Pressesprechers für den noch amtierenden OBM zutage.

Denn dagegen bin ich, Arne Petrich (Parteilos), alles mögliche, aber auf keinen Fall ein geeigneter OBM-Kandidat. Und dies gleich wegen mehrerer Verfehlungen – auch der OTZ gegenüber.

So befände ich mich „in der virtuellen Welt auf einer verbalen Achterbahnfahrt“ und die ganze Auseinandersetzung mit Albrecht Schröter ist darüber hinaus ja so oder so eher persönlicher Natur. Abwertung und Marginalisierung in einem. Auf keinen Fall also besteht demnach ein Bedarf, den amtierenden OBM zu hinterfragen. Oder überhaupt mal direkt zu fragen – die Antwort aus der Stadtverwaltung genügt, Petrich hat also Blödsinn erzählt.

Dass dies eine obrigkeitshörige Denkart ist – geschenkt. Doch nicht zu wissen, dass es – so man es will – ziemlich einfach ist, auf einem zentralen Verwaltungsserver einer Stadt eine Seitenblockierung einzurichten oder sich mal mit dem Zustand der hauseigenen IT zu befassen, disqualifiziert dann doch den Kommentator. Zumal er unterschlägt, dass die „Reibereien“ zwischen mir und „Jenapolis“ eben genau darauf fußen, dass Albrecht Schröter schon lange Probleme mit Kritik an seiner Stadtpolitik hat.

Die Versuche, Jenapolis aus Presseverteilern zu streichen oder anderweitig unten zu halten, sind über die Jahre längst bekannt. Spätestens seit der Eichplatz-Pleite und den Scheinbeteiligungen für die Jenaer Bürger ist klar: Der Petrich nervt, vor allem dann, wenn er am Ende auch noch Recht behält. Übrigens meist egal, was die OTZ schreibt.

Ein Kommentar, der zur Diffamierung geronnen ist

Büker über Petrich am 25. Januar 2018: Er „teilt aus, nicht nur gegen den politischen Gegner, sondern auch gegen unsere Zeitung, und hat dabei ganz viel Schaum vor dem Mund. Journalistisch sieht für mich einfach anders aus, schreibt er. Wie denn? In seiner Kammer zu sitzen, den Laptop vor sich zu haben und ohne Recherche Unwahrheiten als Nachricht zu verkaufen?“

Interessante Lesart der eigentlichen Information, dass ich mir verbeten habe, Artikel über mich und mit meine Statements hinter die hauseigene „Bezahlschranke“, also die Paywall zu packen. Der Gedanke der OTZ war wohl, ohne große Recherchearbeiten noch ein paar Abonnenten zu gewinnen. Was diese konkreten Zeilen Bükers in dieser Sache zu eben dem macht, was er angeblich nicht mag: „in einer Kammer zu sitzen, den Laptop vor sich zu haben und ohne Recherche Unwahrheiten als Nachricht zu verkaufen.“.

Es ist das Umdichten meiner Aufforderung mit meinen Statements kein Geld zu machen, sondern frei zugänglich über den Wahlkampf in Jena zu berichten. Daraus macht Thorsten Büker also einen angeblichen Angriff auf den Journalismus der OTZ. Der mag mittelmäßig und obrigkeitshörig sein, doch dies war nicht Gegenstand meiner Beschwerde.

Die Mediengruppe Thüringen schreibt zum Anspruch des eigenen Hauses übrigens folgendes: „Erstklassiger Journalismus braucht ein erstklassiges Umfeld. Mit diesem Leitgedanken wurde 1990 das Unternehmen – damals noch Zeitungsgruppe Thüringen (ZGT) – mit den Tageszeitungen Thüringer Allgemeine (Erfurt), Ostthüringer Zeitung (Gera) und Thüringische Landeszeitung (Weimar) gegründet.“

Wird wohl höchste Zeit, sich wieder daran zu erinnern. Denn es geht um nichts weniger, als einen Wahlkampf und eine neue Zukunft in Jena. Und die Themen Stadtentwicklung, Transparenz, Wohnungswirtschaft, Bürgerbeteilung, Verwaltungshandeln, regionale Vernetzungen im Nahverkehr, Finanzströme in der „Konzernstadt“ und den grundlegenden Versuch, das Morgen neu zu denken.

Viel Stoff für Thorsten Büker, wenn er sich vom Althergebrachten zu lösen versteht und die Rolle als Schröter-Verteidiger hinter sich lässt. Es könnte sonst der Eindruck von fehlender Fairness im Wahlkampf entstehen. Bis zum 15. April 2018 ist ja noch etwas Zeit dafür und es wird noch jede Menge Themen bis zum Wahltag geben.