Es erschreckt mich in aller höchstem Grade, was mir durch viele Gespräche in den letzten Wochen bereits bestätigt wurde. Ach eigentlich wissen wir es ja bereits seit über einem Jahr. Corona hat unser Leben ruhig gestellt und die Angst hat unser Hirn gelähmt und uns als Mensch faktisch abgeschaltet. Ist das die neue Realität, die wir jetzt akzeptieren sollen? Stellen wir uns einfach so lange tot, bis einfach gar nichts mehr geht?

Jena war eine Stadt des ehrlichen Gemeinsinns und der öffentlichen Auseinandersetzung zwischen Politik und Bürgern. Seit dem Getrennthalten von Menschen auf der Straße und auch im privaten Raum bricht das jedoch immer weiter auseinander. Aber für eine funktionierende Stadtgesellschaft ist dies zwingend notwendig. Ohne eine aktive und öffentliche Zivilgesellschaft kann es auch kein demokratisches Gemeinwesen mehr geben. Und das fahren wir gerade mit höchster Geschwindigkeit an die Wand.

Und es kommt noch viel schlimmer. Öffentlichkeit wird bekämpft. Meinungen werden bekämpft. Immer an der Stelle, wo diese auftreten. Eine Auseinandersetzung im öffentlichen Raum, wo sie hingehören, passiert einfach nicht mehr. Die Demokratie hängt am seidenen Faden. Als Ausrede hält wie allerorts und überall Corona her.

Und da gibt es doch wirklich Menschen, die uns verkaufen wollen, dass uns Corona nun endlich auch gelehrt haben sollte, die neue virtuelle Realität als die eigentlich neue Realität anzuerkennen! Wir können doch unser Leben ins Netz verlagern. Und damit tun wir dann der Umwelt auch noch was Gutes! Alleine der Gedanke tut schon weh!

Natürlich ist das alles völliger Blödsinn. Das richtige Leben findet draußen statt. Dort, wo ich Menschen treffen kann. Wo ich reden, tanzen, singen und lieben kann. Wir sind mit Sicherheit in einer gesellschaftlichen Depression angekommen, das ist die aktuelle Realität. Die entscheidende Frage wird sein, wie wir dort wieder rauskommen und wie wir mit unserer alten Realität umgehen werden.

Wir alle dürfen in den nächsten Monaten nicht mehr mit offenem Mund vor dem Rechner sitzen, sondern wir müssen wieder zurück ins richtige Leben. Und wir müssen gemeinsam überlegen, wie wir uns das zerstörte Gemeinwesen wieder zurückerobern können.

Wozu dieser Gedankensplitter? Zum Mut machen! Zum Verstehen, dass wir nur zusammen als Menschengemeinschaft Lösungen finden können. Das Digitale ist ein Hilfsmittel, mehr aber auch nicht. Und vor allem im Lokalen werden wie sonst auch immer die Lösungen zu finden sein. Aber wir müssen endlich wieder anfangen, miteinander zu reden! Im richtigen Leben! Bauch ist gut, aber jetzt brauchen wir auch wieder Kopf!

Wir brauchen einen Weg, wie wir alle einfach wieder mitmachen können! Und wir brauchen jeden, der noch mitmachen will und müssen VIELE begeistern wieder mitmachen zu wollen!

Für mich persönlich steht jedenfalls fest: Wenn das auch in Jena die neue Realität sein soll, dann suche ich mir einfach eine andere! Aber bis dahin….

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