Wir brauchen wieder eine Idee, wo es hingehen soll!

Kurz gesagt, wir kommen am gemeinsamen Reden nicht vorbei!

Der Wutbürger als Kraftquelle für gesellschaftlichen Aufruf gab es auch mal in Jena, sogar öffentlich! Auch ist er natürlich auch weiterhin da, nur eben selten noch öffentlich!

Es hat uns das Grundgefühl im Bauch verlassen, dass wir Dinge wirklich entschieden haben! Egal wie eine Entscheidung ausgeht, ob man für oder gegen etwas gestimmt hat, es geht nur um das Gefühl etwas entschieden zu haben!

Wir hängen alle irgendwie in Wachstumszwängen und Szenarien drinnen, aus denen wir nicht mehr rauskommen und die wir nicht mehr beeinflussen können. Natürlich geht es auch so unseren ehrenamtlichen Politikern. Die mittlerweile völlig fehlende Kommunikation zwischen Bürgern und Politikern führt zu einer neuen Wählergruppe, den Protestwählern. Dabei schlägt der Bauch den Kopf…die Achse zwischen Bürgern und der Politik ist längst gebrochen.

Jedoch leben wir in einer modernen Demokratie und deren Grundversprechen ist eben aber auch, dass wir selber entscheiden wollen und uns eben nicht Sachzwängen unterordnen wollen. Wir müssen wieder vom DIE zum WIR kommen. Es geht um das Gefühl, daß wir gemeinsam die Welt gestalten. Auch Politiker sind letztendlich genauso zu Marionetten verkommen, wie eben auch die Wutbürger. Wenigstens damit kann man sich viele Entscheidungen im Jenaer Stadtrat erklären. Politiker sind eben auch nur Spieler, die schlecht eine Wahl haben, da sie ebenso in einem Großspiel mitmachen müssen, was sie selber nicht kontrollieren können.

Selbstverständlich hat dabei die Klasse von Politikern aber auch den Schritt zu einer Separierung vom Volk vollzogen. Hartmut Rosa spricht dabei von dem Verlust von Resonanzfäden, die zerstört sind zwischen Bürgern und Politikern.

Nocheinmal kurz zurück zum Wutbürger. Positiv an ihm ist, dass er es schafft, sich Gehör zu verschaffen, in einer Zeit wo sehr viele denken, dass sie nicht mehr gehört oder ihnen zugehört wird. Wut ist erstmal nur Empörung. Mehrheiten gegen etwas sind schneller zu finden, als Mehrheiten für etwas. Auf der Suche nach den positiven Gemeinsamkeiten könnte jedoch die politische Gestaltung von Prozessen ganz schön langsam werden. Für Jena mit den vielen anstehenden Großprojektes ein wirkliches Problem.

Die Frontlinien verlaufen dabei schon lange nicht mehr zwischen links und rechts, sondern zwischen Bürger und Politiker. Deshalb plädiert auch Hartmut Rosa für ein anderes Verständnis von Politik und spricht sich gegen Bürgerentscheide aus, aber für Kommunikationsarenen. Recht gebe ich ihm dabei, daß wir wieder öffentliche Debatten über die Zukunft unserer Stadt führen müssen müssen.

Eine naive Forderung wäre wohl eine neue Kultur des Miteinander zu entwickeln. Die Alternative dazu wäre wohl die Hoffnung zu verlieren oder gewalttätige Umstürze folgen zu lassen.