Wir sind, dank Facebook, im Zeitalter der betreuten Fernsehgucker angekommen. Eine völlig dezentrale und singularisierte Welt hat die klassische Medienwelt faktisch abgeschafft. Die Rester (die öffentlich rechtlichen Medien) sind staatstragend organisiert und werden bei jeder Gelegenheit als „Lügenpresse“ heruntergeschrien. Wenige (amerikanische) Monopolisten wie Google, Facebook, Apple, Amazon und Co haben ihre Geschäftsmodelle durch unsere eigene „Dummheit“ gefunden und nutzen diese geschickt aus. Denn letztendlich geht es bei allen diesen Anbietern nicht um Demokratie oder Medienkompetenz, sondern ganz alleine um ihr eigenes Geschäftsmodell. Ethische oder andere Grundsätze existieren nicht und sind auch gar nicht gewollt. Transparenz und Kommunikation sind nur sinnvoll im Interesse des Geschäftsmodells, selber steht man jedoch nicht für die Werte.

Die Welt hat sich also nicht im Ansatz inhaltlich weiterentwickelt, sondern nur technisch. Es ist leicht, mit dem richtigen Handy und der richtigen Flatrate Videos permanent zu streamen, später zu schneiden und dann gestückelt wieder „rausgerotzt“. Die Portalbetreiber nehmen es dankbar auf. Egal ob Bürger-, Politik- oder auch die Unternehmerwelt. Alle haben sie ihren Umgang mit den Neuen Medien gefunden. Eine Welt bestehend aus Marketing und Vertrieb, hat sich daraus entwickelt. Es macht müde und ist oft so sinnlos. Wäre die Alternative einfach abzuschalten? Ich denke nein, denn es gehen viel zu kluge Menschen raus und mischen sich nicht mehr ein. Da die Technik da ist, sollten wir sie auch nutzen. Einige Menschen gehen auch bereits wieder auf die Straße, aber mit 1989 hat dies nichts zu tun, auch wenn sich das viele wünschen würden. So naiv kann nun wirklich niemand mehr sein, eben zu glauben mit einem weiteren „Wir sind das Volk!“ noch etwas verändern zu können. Das Thema ist schon lange durch und auch nicht mehr zeitgemäß.

Aber was bedeutet Demokratie im digitalen Zeitalter? Die Meinungsfreiheit ist ja dank der neuen Technik so breit wie noch nie. Aber bringt uns das alleine voran? Ich denke nein. Sie fördert derzeit nur den politischen Streit der verschiedenen Akteure, jedoch nicht im positiven Sinne. Ich habe es selber während meiner OB Kandidatur zu spüren bekommen. Nachfolgend habe ich viel gelernt. Vor allem, welchen Stellenwert Politik in der heutigen Zeit noch hat. Erschreckend war für mich ebenfalls, wie oberflächlich Menschen andere Menschen bewerten und im Internet dann natürlich regelrecht verbal schlagen. Und ja, das kommt an. Es kommt so an, dass man überhaupt keine Lust mehr darauf hat sich einzumischen, geschweige denn aufzustehen. Für wen denn noch genau und für welche Werte und Ideen?

Fest steht für mich jedoch eins. Es gibt nur eine Form der Kommunikation miteinander. DER DIALOG! Für mehr sind Menschen scheinbar nicht ausgelegt, schon gar nicht für total verzwurbelte Facebookkommentarfeeds, die einem aber auch bei gar nichts helfen. „Helfen können wir uns nur noch selber“, höre ich dann oft in Gesprächen. „Denke an dich und an dein weiterkommen“, heißt es dann weiter. Aber ich bin die Generation WIR. Als kollektiver Mensch bin ich im Osten großgeworden. Für mich war das gut, ich hatte ein gutes Leben (nicht zu verwechseln mit erfüllt). Ich möchte dies auch nicht ablegen und habe es auch versucht meinen Kindern zu vermitteln, dass Gemeinschaft der bessere Weg einer Gesellschaft ist, nicht die Vereinzelung, die letztendlich nur als Geschäftsmodell herhalten muss, damit auch der Konsum klappt. Geht es nicht schon eine ganze Weile um den Kampf für eine bessere Gesellschaftsform? Geht es nicht um die Idee der Gemeinschaft und wie wir diese definieren können und auch wollen? Ist es nicht auch die Unterschiedlichkeit von Menschen, die eine Bereicherung erfahren lässt? Und wo und wie lässt sich das alles abbilden?

Wir leben schon immer weitestgehend lokal. Viele würden dies als Heimat beschreiben. Ich gehe da etwas weiter und beschreibe meine Herkunft als Heimat, also die DDR. Ich habe selbst 30 Jahre nach der Wende noch immer das Gefühl, nicht zum Westen dazuzugehören, weil ich eben so nicht groß geworden bin, sondern eben anders. Und jeden Tag bin ich da immer mehr stolz darauf. Meine Kinder kennen die Geschichten, aber natürlich können sie nur zuhören, es aber nicht mehr nachvollziehen, aber es geht um mich. Es geht auch um die Toleranz, genau diese unterschiedlichen Sichtweisen akzeptieren zu können mit den viele Vorteilen, aber natürlich auch mit den Nachteilen. Seit 1989 ist nun Jena meine Heimat, aber wie nun weiter? Wer geht mit mir in einen Dialog?

Ich bitte um Nachricht, wenn der erste Beitrag nach einigen Monaten noch etwas holpert.